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Freiwilligenarbeit: Alles Ehrensache? (Freiwilligenarbeit: Alles Ehrensache?)

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Freiwilligenarbeit: Alles Ehrensache?

Freiwilliges Engagement ist eine Form der sozialen Teilhabe und bedeutsam für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Doch was motiviert Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren? Welche neuen Formen der Freiwilligenarbeit kommen auf uns zu? Eine Exploration quer durch die Gesellschaft.

Ein Beitrag von Simon Schöpf | veröffentlicht im Bergauf Magazin 01.2021

Eine Alpenvereinsgruppe im Aufstieg zum Hähnleköpfle im Kleinwalsertal. (Foto: H. Düringer)

Zeit für höhere Ziele investieren

Manuela setzt sich eine rote Clownsnase auf und bringt kranke Kinder zum Lachen. Achim rückt mit Schaufel und Spitzhacke aus, der Weg zur Widdersteinhütte muss nach einem schneereichen Winter wieder fit gemacht werden. Und Vicky programmiert Websiten, die sich für ein freies Internet einsetzen. Allen gemein ist: Sie tun dies aus Überzeugung, und sie tun es freiwillig, sie arbeiten unbezahlt.

Manuela, Achim und Vicky sind keine Sonderlinge, sie gehören zu einer Mehrheit. In Österreich sind etwa 3,5 Millionen Menschen ab 15 Jahren in Vereinen, Organisationen, Initiativen oder in der sogenannten Nachbarschaftshilfe freiwillig tätig. „Österreich zeichnet sich erfreulicherweise durch einen hohen Grad an freiwilligem und ehrenamtlichem Engagement aus“, resümiert der Freiwilligenbericht 2019 . Für Deutschland gibt der vom Bundesministerium in Auftrag gegebene Freiwilligensurvey einen repräsentativen Überblick über die Engagiertheit unserer nördlichen Nachbaren. Resümee: Stattliche 70% der Bevölkerung ab 14 Jahren ist außerhalb von Beruf und Familie öffentlich und gemeinschaftlich aktiv.

Fest steht demnach: In unseren Gesellschaften genießt das freiwillige Engagement eine breite Verankerung und ist in seiner Vielfalt eine unverzichtbare Bedingung für den gemeinschaftlichen Zusammenhalt. Soweit zur Metaebene, doch was treibt Individuen an, ihre wertvolle Zeit für ein höheres Ziel zu investieren? Haben sich die Gründe in den letzten Jahrzehnten geändert? Wo liegen die aktuellen Herausforderungen?

Die Stimmen der Freiwilligen

Christoph repariert zwei Mal im Monat kleine Fahrräder und Skateboards im SOS-Kinderdorf Hinterbrühl. „Wenn Kinder mit einem Lächeln Danke sagen gibt das einem Menschen mehr als alles andere auf der Welt.“ Menschen engagieren sich für SOS-Kinderdorf, um etwas „Sinnvolles“ oder „Gutes“ zu tun und unsere Gesellschaft mitzugestalten. Freiwillige haben Freude am Kontakt mit Kindern und Jugendlichen, aber auch daran, ihre handwerklichen, musischen oder sonstigen Fähigkeiten für die Organisation einzusetzen. So auch Rosi: „Es ist für mich eine schöne Abwechslung in der Pension und ein positives Gefühl, etwas Gutes zu tun. Schön für mich ist auch, dass sich einige Kinder sehr freuen, wenn ich komme.“ Ein sehr menschliches Feedback, freiwillig engagieren geht auch in anderen, abstrakteren Sphären. Wie zum Beispiel beim Verein Epicenter.works, einem Kollektiv, das sich für Digitale Rechte und ein freies Internet einsetzt. Herbert hilft mit, weil „ich einen Teil meines Glücks, meines Wissens und meiner Erfahrungen an die Gemeinschaft zurückzugeben will. Ich glaube, sie kann es gebrauchen. Wissen und Humanität sind umso stärker, je mehr sie geteilt werden.“ 

Erwin ergänzt: „Ich engagiere mich, um mit anderen gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten. Die Arbeit gibt mir das Gefühl, nicht alleine da zu stehen, sondern mit anderen gemeinsam an einem Europa zu arbeiten, in dem Grundrechte und wissenschaftliche Erkenntnisse einen hohen Stellenwert haben.“ Und Vicky: „Ich engagiere mich, weil es mir als Person der österreichischen und europäischen Zivilgesellschaft die Perspektive gibt, die Zukunft und somit auch die Rahmenbedingungen meines eigenen Lebens aktiv und wirkungsvoll mitgestalten zu können. Das fühlt sich um Welten besser an, als tatenlos darauf zu hoffen, dass‚ es schon passen wird‘“. 

Auch die Aufgaben im Gesundheitsbereich wäre ohne freiwillige Helfer nicht stemmbar, ob im Rettungsdienst oder direkt in der Klinik. Katharina Riedl von den Roten Nasen Clowndoctors hält fest: „Viele von unseren Freiwilligen werden vom Wunsch angetrieben, etwas von dem Glück, das sie im Leben erfahren haben, an andere weiterzugeben, die mit etwas weniger Glück gesegnet sind.“ Und um Glück geht es auch Achim, freiwilliger Wegewart beim Alpenverein Vorarlberg, wenn er mit schwerem Werkzeug ausrückt, um die Pfade seiner Heimat Vorarlberg wieder sommerfit zu machen: „Die Arbeit an der frischen Luft tut einfach gut und hält fit. Es ist ein schöner Gedanke, dass wir Leuten durch unsere freiwillige Arbeit ein schönes und auch sicheres Bergerlebnis bescheren können.“

Familienbergwaldprojekt Obernberg (Foto: F. Geppert)zoom
Freiwillige in der Wachau (Foto: B. Henrique)
 

Mehr Individuum, weniger Gruppe

Ob Fahrradreparatur oder Krankenbetreuung, insgesamt werden die Beweggründe für freiwilliges Engagement immer spezifischer und individueller. Als Resultat der Individualisierungsprozesse kommt es zu einer stärkeren Diversifizierung des freiwilligen Engagements, es kommt zu einem Wechsel vom Kollektiven zum Individuellen. An die Stelle einer homogenen Gruppe treten nun Personen mit individuellen Präferenzen, Interessen und Bedürfnissen. Auch der Freiwilligensurvey sagt: Die Motive der Engagierten sind vielfältig. So weit, so klar, am häufigsten geben Engagierte aber auch tatsächlich an, ihre Tätigkeit mache ihnen Spaß. Weitere wichtige Gründe sind der Wunsch, die Gesellschaft mitzugestalten und das Verlangen, mit anderen Menschen zusammenzukommen, was auch die Zitate oben widerspiegeln. Die vergleichsweise geringste Bedeutung hat für Engagierte das Motiv, durch die freiwillige Tätigkeit etwas dazuzuverdienen.

Akademie-Kurs auf dem Taschachferner/Ötztaler Alpen. (Foto: H. Düringer)zoom

Frei & willig?

Monetäre Abgeltung? Fehlanzeige. Im Grunde geht es um: Anerkennung. Ein zutiefst menschliches Bedürfnis, Anerkennung fördert das Selbstbewusstsein und Wohlbefinden wesentlich. Eigene Ideen verwirklichen, selbstständig handeln, die Früchte der Arbeit selbst ernten – alles Dinge, die in unserer modernen, abstrakten und zunehmend entfremdeten Arbeitswelt vielen Menschen zusehend verwehrt werden. Freiwillige können entsprechend ihrer Motivation und Bedürfnisse die eigenen Kompetenzen nutzen und sich damit positiv in die Gesellschaft einbringen. Ein aktives Mitgestalten resultiert in Anerkennung, es ist ein Instrument der Wertschätzung.

Neue Formen der Freiwilligkeit

Freiwilligenengagement unterliegt – wie auch andere gesellschaftliche Bereiche – einem stetigen Wandel, die Rahmenbedingungen dafür ändern sich. Ein Trend ist das Mikrovolunteering: Freiwilliges Engagement, das nur wenig Zeit in Anspruch nimmt und ohne längerfristige Bindung auskommt. Das ist vor allem für jüngere Menschen attraktiv, die Angebote mit einem geringeren Verbindlichkeitsgrad gerne annehmen, beispielsweise ein Mithelfen im Rahmen einer konkreten Veranstaltung. Bei den Roten Nasen Clowndoctors passiert das schon seit mehreren Jahren für das Projekt „SchoolsCare“, bei dem sich Kinder und Jugendliche im Rahmen von Schulprojekten einbringen.

Die mittlerweile omnipräsenten digitalen Medien schaffen neue Möglichkeiten, Beziehungen zu gestalten, während traditionelle Bindungen an Bedeutung verlieren. Neue Formen des Engagements tauchen auf, zeit- und ortsunabhängige Aufgaben können mithilfe des (mobilen) Internets erledigt werden. Thomas Lohninger von epicenter.works glaubt stark an das Potential von Kollaboration mittels technischer Werkzeuge für ein gemeinsames gesellschaftliches Ziel: „Wir stehen in Österreich erst am Anfang damit, niederschwellig am demokratischen Diskurs teilzunehmen und partizipative Entscheidungsfindung auf konkrete Fragestellungen anzuwenden.“

Seit 2019 gibt es in Österreich einen digitalen Freiwilligenpass zur Sichtbarmachung des oft lebenslangen freiwilligen Engagements und spezielle Webseiten randvoll mit Möglichkeiten, sich gesellschaftlich einzubringen. Ob mit Spitzhake, Tastatur oder roter Nase ist im Endeffekt egal – Hauptsache Tun, denn: Alles Ehrensache, nur so wird unsere Gesellschaft zu dem, was sie ist.

Wegearbeit im Höllental (Foto: R. Vogl)zoom
Mit der Alpenvereinsgruppe unterwegs. (Foto: H. Düringer)zoom
Im Moor und auf der Alm. (Foto: L. Mackert)zoom
 

Ehrenamtliche Tätigkeiten im Alpenverein

Ehrenamtliche Tätigkeiten im Alpenverein. (Foto: H. Düringer)zoom

Freiwilliges Engagement ist das Herz und die Seele des Vereins. Der Alpenverein wird auf allen Ebenen - vom Präsidium bis hin zur Sektion vor Ort - ehrenamtlich geführt. Fast 15.000 Funktionär*innen engagieren sich in verschiedensten Aufgabenbereichen ehrenamtlich für den Verein. Dazu kommen noch deutlich mehr als 10.000 freiwillige Mitarbeiter*innen, die im Alpenverein bei Veranstaltungen und einzelnen Projekten im Einsatz sind.

Wie kann ich mich engagieren?

Der einfachste Weg zur ehrenamtlichen Arbeit im Alpenverein ist über die Sektion in deiner Nähe! Der Alpenverein ist in knapp 200 Sektionen und zahlreiche Ortgruppen in ganz Österreich aufgegliedert, dort findet das Vereinsleben statt. Eine Sektion in der Nähe deines Wohnortes findest du hier: www.alpenverein.at/sektionen

In welchen Bereichen des Alpenvereins kann ich ehrenamtlich tätig werden?

  • Im Bergsport … als Tourenführer*in oder Alpininstruktor*in
  • In der Alpenvereinsjugend … als Jugendleiter*in, als Jugendmitarbeiter*in oder Familiengruppenleiter*in
  • Im Naturschutz … als Naturschutzreferent*in oder als Naturschutzmitarbeiter*in
  • Im Hütten- und Wegebereich … als Hüttenwart*in oder Wegewart*in
  • Im Vorstand der Sektion … von der Vorsitzenden über Schriftführer*in bis zur Jugendteamleiter*in
  • In vielen weiteren Tätigkeitsfeldern der Sektion: z. B. Öffentlichkeitsarbeit, Kultur, Online-Kommunikation, ...
  • Als freiwillige/-r Helfer*in bei: Bergwaldprojekte und Umweltbaustellen / P.U.L.S Pressepraktikum

Weitere Infos unter: www.alpenverein.at/ehrenamt