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Braucht es Strafen für "verantwortungslose" Skitourengeher? (Strafen für Tourengeher?)

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Braucht es Strafen für "verantwortungslose" Skitourengeher?

Stellungnahme des Österreichischen Alpenvereins zu einem aktuell heiß diskutierten Thema

Skitour Ötztaler Alpen, Langtalereckhütte (Foto: ÖAV/Norbert Freudenthaler)

[30.01.2019] Braucht es Strafen für "verantwortungslose" Tourengeher, wie sie zuletzt im Kontext hoher Lawinenwarnstufen und kritischer Verhältnisse im Gelände oft kritisiert wurden (Details dazu: orf.at | tt.com)? Die kurze und klare Antwort des Alpenvereins:

NEIN! Der Alpenverein sieht keine Notwendigkeit einer Strafverschärfung - das wäre Anlassgesetzgebung!

Strafbestand der Gemeingefährdung

Bereits jetzt gibt es den Strafbestand der "Gemeingefährdung" (§ 176 StGB), der rechtlich völlig ausreichend ist: "Wer anders als durch eine der in den §§ 170, 172 und 174 mit Strafe bedrohten Handlungen fahrlässig eine Gefahr für Leib oder Leben einer größeren Zahl von Menschen oder für fremdes Eigentum in großem Ausmaß herbeiführt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen." (§ 177 StGB Fahrlässige Gemeingefährdung).

Wer also andere gefährdet, muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Skitour Gschnitzer Tribulaun (Foto: ÖAV/Mario Zott)zoom

Recht auf Risiko und Selbstbestimmung

Und wie ist es mit der Eigengefährdung? In einer demokratischen und auf den Menschenrechten fußenden Gesellschaft gehört es zum Selbstbestimmungsrecht jedes Einzelnen, sein Leben nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Dazu gehört auch die Wahl einer Sportart, die mit Risiken verbunden ist und die Entscheidungsfreiheit für das individuell eingegangene Risiko. Extrembergsteiger, Formel-1-Piloten, Steilwandskifahrer, das gesamte Red-Bull-Extremsport-Team leben dieses Recht auf Risiko (und werden dafür gesponsert, gefeiert, bewundert).

Ein "Recht auf Risiko" ist für den Alpenverein ein Wert, den es zu erhalten gilt. Eine Gesellschaft gewinnt, wenn ihre Mitglieder lernen, mit Risiken bewusst und eigenverantwortlich umzugehen. Der Bergsport bietet dafür ideale Voraussetzungen.

 

Verantwortungsvolles Handeln

Gerade in einer naturfernen und zunehmend fremdbestimmten Welt bietet Bergsport beides – Naturbeziehung wiederzugewinnen und eigenverantwortlich zu handeln. Unterwegs in naturbelassenen Räumen kann der Mensch seine Kompetenzen im eigenverantwortlichen Umgang mit Risiken entwickeln und erleben.

Wer Bergsport betreibt, ist bereits im Eigeninteresse angehalten, sich sorgfältig auf Unternehmungen vorzubereiten, sich angemessen auszurüsten und auf Tour verantwortungsvoll zu handeln. Diese Verpflichtung gilt erst recht, wenn auch andere vom Handeln betroffen sein können.

Naturräume bergen Gefahren in sich. Diese können durch Erfahrung und Wissen eingeschätzt, nie aber vollkommen beherrscht werden. Ein Restrisiko wird im Bergsport immer bestehen bleiben. Dennoch gilt es, die großen Chancen des Bergsports für Gesundheit, Erlebnis und persönliche Entwicklung zu erkennen und zu kommunizieren.

Sktiour am Sulzkogel (Foto: ÖAV/Michael Larcher)zoom
Skitour Kaltenberg (Foto: ÖAV/Gerhard Mössmer)zoom
 

"Die Retter, die sich selbst in Lebensgefahr begeben"

Zuletzt: Die Risiken, die Bergretterinnen und Bergretter im Falle eines alpinen Notfalls eingehen müssen, als Argument gegen das individuelle Recht auf Risiko anzuführen, entpuppt sich als Killerphrase. Denn: Bergretter machen ihren Dienst freiwillig unter der strengen Vorgabe, dass zuerst immer die eigene Sicherheit vorgeht. Wer am Berg verunglückt kann daher nicht mit Hilfe rechnen, wenn die Umstände für die Retter zu gefährlich sind.

Auch sind Bergretter selbst begeisterte Bergsteiger und wissen aus eigener Erfahrung sehr gut, dass Menschen Fehler machen, auch am Berg. Im Notfall helfen, ohne Urteil über das Maß an Selbstverschulden, ist das ethische Fundament der Bergrettung. Dasselbe gilt übrigens auch für die freiwillige Feuerwehr oder das Rote Kreuz.

Unbelehrbare wird es immer geben

Und schließlich gilt die Tatsache, dass der allergrößte Teil der Bergsportler verantwortungsvoll und vorausschauend unterwegs ist. Einige wenige Unbelehrbare wird es immer geben und diese sind auch nicht durch zusätzliche Strafandrohungen zu bremsen. Nicht der Schrei nach "law and order", sondern das nötige Maß an Toleranz zeichnet eine offene, demokratische Gesellschaft aus.

Österreichischer Alpenverein (ÖAV)
Innsbruck, am 30.01.2019

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