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Am Fels sind alle gleich

Seit vier Jahren befasst sich der Verein „Miteinander am Berg“ (MaB) mit Sportklettern als Integrationskonzept für geflüchtete Menschen. In mehr als 100 Kletterveranstaltungen konnten bisher Teilnehmer*innen aus über sieben Ländern für das Seilklettern und Bouldern begeistert werden. 2018 erhielt der Verein gemeinsam mit dem Alpenverein Edelweiss den Integrationspreis des Österreichischen Integrationsfonds.

Ein Beitrag von Marilena Bertacco, Martin Lorenz, Georg Zimmermann | veröffentlicht im Bergauf Magazin 05.2020

Nach einem langen und erfolgreichen Klettertag im Klettergebiet Dürnstein. (Foto: Miteinander am Berg)

„Machma heuer wieder ein Kletterwochenende?“
„Passt. Wohin soll´s gehen?“
„Fahrma doch wieder ins Ennstal, zum Camp Sibley, so wie letztes Jahr.
Das war doch perfekt. Es gibt genug Platz, der Fels ist ums Eck, ein chilliges Lagerfeuer und grillen ...“
„Voll! Machma das.“

Und dann kam Corona – gleich zweimal …

Wir sind der Verein „Miteinander am Berg“ aus Wien. Wir sind ehrenamtliche Sportkletter-Trainer*innen und gehen das ganze Jahr mit geflüchteten Menschen Seilklettern und Bouldern, im Sommer an den Fels, im Winter in die Kletterhalle. Vor Covid haben wir zudem regelmäßig Schnupperklettern für Neulinge angeboten. 

Bei unseren Kletterwochenenden kommen wir mal richtig raus. Wir klettern, bis uns die letzte Kraft aus den Fingern geflossen ist und genießen abends beim gemeinsamen Essen eine kulinarische Reise in die Herkunftsländer unserer Teilnehmer*innen. Wir waren auf der Wurzeralm, wo wir den Weg zur Roten Wand hochgeschnauft sind und ein tolles Panorama genossen haben. Auf der Hohen Wand hat es uns eingeregnet, aber das war uns bei guter Hüttenstimmung fast egal. Im Ennstal waren wir tagsüber am Fels und in der Nacht am Grill. Dieses Jahr jedoch leider nicht. Nachdem wir unser Wochenende covidbedingt vorerst von Frühling auf den Herbst verschoben haben, mussten wir unsere Teilnehmer*innen heuer enttäuschen. Die Fallzahlen waren im Herbst wieder stark gestiegen und ein mehrtägiger Ausflug mit einer Gruppe von 30 Menschen wäre nicht vertretbar gewesen. Schade, aber wir lassen uns nicht unterkriegen und tüfteln schon an Alternativen.

Der Verein

Angefangen haben wir 2016 mit einer Idee, zwar ohne Vereinserfahrung, ohne Material und ohne Geld, aber mit viel Leidenschaft und guter Organisation. Der Verein wird ausschließlich von Freiwilligen geführt, erwirtschaftet keine Gewinne und ist politisch und religiös unabhängig. Mittlerweile sind wir gewachsen, haben uns verändert, haben Willkommens- und Ablehnungskultur überstanden und sind motiviert wie zu Beginn. Wir werden von der mehrfachen Kletterweltmeisterin Anna Stöhr tatkräftig unterstützt und angefeuert. Der Ausrüster Salewa hat uns für unsere Outdoor-Abenteuer Helme, Seile und Gurte gespendet. Sogar schicke Vereinsshirts haben wir mittlerweile. Besonderer Dank gilt dem Alpenverein Edelweiss, mit dem wir seit Beginn unseres Projektes eng kooperieren und die uns von Anfang an vielfach unterstützt. Ohne sie hätte sich das Projekt Miteinander am Berg nie so gut entwickelt.

Der Kletterfelsen beim Camp Sibley bietet Routen unterschiedlicher Schwierigkeiten. (Foto: MaB)zoom
Gute Laune und Spaß am Klettern sind immer dabei. (Foto: MaB)zoom
 

Diversität im Klettersport

Kletter*innen reisen gern, auch zu entlegenen Orten der Welt. Doch als „multikulti“ kann man den Bergsport in Österreich derzeit nicht bezeichnen. Wir versuchen, einen Gegenpol zu setzen. Am Fels sind alle gleich: es geht um Schwerkraft, Fingerkraft, Freiheit und Spaß. Bei uns ist daher jede*r willkommen.

Und wir fallen auf. Ob in der Kletterhalle, wo wir verwunderte Blicke ernten, wenn Teilnehmer*innen sich gegenseitig etwas auf Dari oder Tschetschenisch zurufen. Oder wenn wir auf einer Berghütte sitzen und auf einmal eine muslimische App zum Gebet aufruft. Das haben die Hüttenwirte noch nicht erlebt. Und schon entsteht Raum um sich authentisch kulturell auszutauschen. Denn wir zeigen: Was wir gemein haben, ist die Liebe zur Natur und die Freude am Klettern, egal woher jemand kommt.
Gemeinsam stehen wir für die Werte, die viele im Bergsport vertreten: Respekt vor der Natur, Toleranz, Gemeinschaft und Gleichheit. Wir stehen nicht nur dafür, wir leben und transportieren sie bei jedem unserer Events.

Mit dem Bus der Sektion Edelweiss direkt zum Klettergebiet. (Foto: MaB)zoom
Beginn eines traumhaften Klettertages auf der Wurzeralm. (Foto: MaB)zoom
 

Integration

Integration bedeutet für uns, dass jede Person gleichbedeutend am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann und soll. Wir wollen, dass sich jeder stark und sicher in der Gesellschaft fühlen und sich im Alltagsleben selbstbewusst behaupten kann. Als Verein Miteinander am Berg haben wir einen Platz geschaffen, in dem jede*r beim Klettern und im Umgang miteinander auch ihre/seine Kompetenzen entwickeln und erweitern kann. Wir schaffen Möglichkeiten, dass jede*r Verantwortung übernehmen kann, beim Sichern, bei Aufgaben in der Vereinsorganisation oder sogar als Trainer*in. Selbstorganisation, Leitungskompetenz, Kommunikationsstrategien und vieles mehr sollen durch Vereinsaktivitäten trainiert werden.

Besonders freuen wir uns darüber, dass im letzten Jahr auch erstmals Teilnehmer*innen die Prüfung zum/r „Übungsleiter*in Sportklettern“ geschafft haben. Dies ist nicht nur eine tolle Leistung der Absolvent*innen, sondern auch ein weiterer Schritt zur Integration.

Bei unserem alljährlich stattfindenden interkulturellen Event „Culture Climb“ laden wir fremde Kletter*innen ein, uns bei einem gechillten Kletterfestl mit Sportkletterwettbewerb kennenzulernen. Miteinander am Berg - ein Verein, der eine Gemeinschaft und ein zu Hause bieten will, der die Teilnehmer*innen mit der heimischen Klettercommunity zusammenbringen und die Entwicklung von Kompetenzen und die Steigerung des Selbstbewusstseins ermöglichen möchte.

Wir haben uns einiges vorgenommen und vieles schon erreicht. Manche Schlüsselstelle wartet noch auf uns, doch die Begeisterung am gemeinsamen Klettern motiviert und gibt uns die Kraft, scheinbar Unmögliches mit einer Leichtigkeit zu bewältigen.

In der Badener Kletterschule. (Foto: MaB)zoom
Ein Sommertag in der Badener Kletterschule. (Foto: MaB)zoom
 

Schattenseiten

Immer wieder müssen wir erleben, dass Mitglieder plötzlich verschwinden. Jahrelang haben sie in Österreich gelebt, haben sich ein Leben aufgebaut, eine neue Sprache gelernt und waren mit uns klettern. Dann erhalten sie den negativen Asylbescheid und werden mitten im Leben gestoppt. Sie müssen das Land verlassen und hinterlassen eine Lücke bei uns. Wieder wird ein Mensch aus unserer Mitte gerissen, den wir liebgewonnen haben. Es geht nicht spurlos an uns vorbei. Wozu Integration, wenn es doch keinen Unterschied macht?

Weil der Moment wichtig ist. Weil wir trotzdem diesen Menschen kennengelernt haben, weil uns die gemeinsame Zeit niemand mehr nehmen kann und weil wir von ihm gelernt haben: warum in Persien die Zubereitung von Spaghetti drei Stunden dauert, wie man in Afghanistan Karten spielt, was es heißt, ein hartes Leben zu leben und trotzdem nicht aufzugeben, nach einer besseren Zukunft zu streben. Und dankbar zu sein, für jedes Mal, wenn die Geschichte gut ausgeht.

Über die Autor*innen

Marilena Bertacco ist Psychologin in einer Klinik für Unfallchirurgie.
Martin Lorenz ist Student der Sozialen Arbeit.
Georg Zimmermann ist leitender Angestellter in einer Personalberatung.

Alle drei sind ehrenamtliche Mitglieder des Vereins Miteinander am Berg.

Verein Miteinander am Berg

www.mab-verein.at

Kontakt
office@mab-verein.at

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Erste Bank: IBAN: AT63 2011 1828 9513 3000, BIC: GIBAATWWXXX

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